„Was, du studierst ev. Religion?“

Juliane Hartung, 26 Jahre, studiert Ev. Theologie im 12. Semester

 

„Was, du studierst ev. Religion?“ Obwohl die erste Reaktion meiner Fächerwahl oftmals Erstaunen, auch Ablehnung hervorruft, ist das Interesse von Kommiliton*innen und Bekannten immer verblüffend groß, mit mir über Kirche und persönliche Erfahrungen zu diskutieren. Wir befinden uns in einer Zeit, in der die Institution Kirche zwar insgesamt an Bedeutung verliert, die persönliche Suche nach dem eigenen Standpunkt, auch bei ethischen Fragen, aber immer wichtiger wird. So merke ich, wie viele Leute in meinem Alter einerseits aus der Kirche austreten, andererseits nach Halt und Sinn suchen. Sie suchen sich in gewisser Weise Ersatzreligionen, indem sie z.B. die Optimierung der eigenen Person ins Zentrum ihres Lebens stellen. Für mich persönlich bedeutet der christliche Glaube eine Befreiung vom Optimierungsdruck. Ich fühle mich durch ihn gestärkt. Und wenn ich mal etwas nicht so hinkriege, ärgere ich mich zwar, aber stelle nicht meine Person als ganze in Frage.

 

Ev. Religion ist insofern ein außergewöhnliches Unterrichtsfach, denn es bietet für Schüler*innen oftmals den einzigen Berührungspunkt, sich mit existentiellen Fragen und Fragen des Glaubens auseinanderzusetzen. Mir ist es ein Anliegen, Schüler*innen religiös sprachfähig zu machen und sie in dieser unübersichtlichen Welt ein Stück weit in ein mündiges und sinnerfülltes Leben zu begleiten. Ich befinde mich nun am Ende meines Studiums und kann rückblickend sagen, dass gerade Ev. Theologie ein spannendes und facettenreiches Studienfach ist, in dem es nicht nur darum geht, sich Wissen anzueignen, sondern Konsequenzen für das tägliche Handeln und Leben zu ziehen.