Dr. Birgit Vollmar (36) ist Lehrerin für Ev. Religion an der Adolf-Reichwein-Schule in Marburg

 

Während meiner eigenen Schulzeit hatte ich das Glück, zwei tolle Religionslehrer zu haben, denen man anmerkte, dass sie ihre Tätigkeit nicht nur als Beruf, sondern als Berufung sahen. Ihre Leidenschaft für die Auseinandersetzung mit der christlichen Theologie und religionswissenschaftlichen sowie ethischen Themen einerseits und ihre Hingabe bei der Arbeit mit uns Jugendlichen andererseits haben bei mir bleibende Spuren hinterlassen. Diese Verbindung von Menschenliebe und Fachinteresse mit den anthropologischen Fragen nach dem Woher und Wohin des Menschen, die mich von Kindheit an faszinierten, haben meine Entscheidung stark beeinflusst, Lehrerin für Evangelische Religion, Ethik und Geschichte zu werden.

 

Für mich ist das Fundament des Religionsunterrichts nicht allein dessen Inhalt, sondern besonders die Art und Weise, wie man jungen Erwachsenen die Themen dieses Faches näherbringt. Im Laufe meiner beruflichen Erfahrung an der Adolf-Reichwein-Schule in Marburg ist mir bewusst geworden, dass mein Wissen und mein ernsthaftes Interesse an Religion und Ethik mich dazu befähigen, mich den Schülerinnen und Schülern zu öffnen. Für die Jugendlichen ist dies vielleicht eine Art unbewusster Impuls, oder sie merken eine Vertrautheit, sodass sie sich auf teilweise sehr persönliche Themen zustimmend oder im Widerspruch einlassen. In kaum einem anderen Fach können sich Schülerinnen und Schüler so angreifbar und berührbar machen. Meine Aufgabe ist es, genaue solche Momente zu ermöglichen und die Jugendlichen vor persönlichen Angriffen zu schützen. In einigen Situationen ist dies ein Balance-Akt. Doch ich bin mir sicher, dass in der Bereitschaft, sich gegenüber anderen zu öffnen, der Schlüssel für einen guten Religionsunterricht, für ein gutes Miteinander liegt. Und ich hoffe, dass ich meinen Schülerinnen und Schülern dies mit auf den Weg geben kann.